Ersatzneubau Mehrfamilienhaus Schürbungert, Zürich

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Projektinformationen
Direktauftrag:    2019
Ausführung:    2022-24
Bauherrschaft:    privat
Programm:    Mehrfamilienhaus mit Patio
Bauleitung:    Junod GmbH Bauagentur, Zürich / Ladir
Bauingenieur:    APT Ingenieure GmbH, Zürich
Elektroplaner:    Wyder Elektroplanung GmbH, Zürich
HLS-Planer:    Planforum GmbH, Winterthur
Bauphysik:    BWS Bauphysik AG, Winterthur
Farbberatung::    Katrin Oechslin, Atelier für Farbe und Architektur, Zürich

Der Neubau am Schürbungert 4 vermittelt über eine Fächerung vom Grundriss zwischen den bestehenden Gebäudefluchten – westlich als Zusammenbau mit der Nachbarparzelle, östlich zur genossenschaftlichen Siedlung Brüderhofweg.

Die Fächerung führt zu einer feinen Segmentierung der Strassenfassade, wodurch eine vertikale Gliederung als Überlagerung der horizontal aufgereihten Fenster entsteht. Die Vertikale ist zusätzlich durch ein im Quartier oft anzutreffendes Element – ein als Risalit hervorgehobenes Treppenhaus – akzentuiert, das hier azentrisch in einer abgewandelten Form ausformuliert wurde. Hofseitig entwickelt sich die Fächerung zu vertikalen Vor- und Rücksprüngen, die sich mit den horizontalen Balkonbrüstungen zu einer lebendigen Volumetrie verflechten. Analog zur Strassenfassade, setzt sich einer der Vorsprünge bis ins Dachgeschoss fort.

Die dezente Farbigkeit der mineralisch aufgebauten Fassade wurde aus der Umgebung abgeleitet, wobei kleine Farbakzente im Sonnenschutz und der Dachuntersicht gesetzt wurden. Die Fenster und die Metalloberflächen sind in einem dunklen Kontrast zur Fassade gehalten. Der im Dickschichtaufbau ausgeführte Wormserputz erhält neben der Grundfarbe auf allen, nach Osten ausgerichteten Fassadenflächen eine Konträrfarbe, wodurch ein Lichtspiel mit Sonne und Schatten entsteht.

Der dreispännig organisierte Grundriss verfügt über zwei mehrseitig orientierte Wohnungen mit einer eingeschobenen Kleinwohnung. Das polygonale Treppenhaus bildet dabei das Bindeglied zwischen den Wohnungen. Eingefügte Oblichter über den Wohnungstüren sollen über den Lichtschein eine kleine Geste zur nachbarschaftlichen Verbindung bieten und dem hermetischen Abschluss entgegenwirken. Um trotzdem keine ungewünschten Einblicke zu erzeugen, wurden die Oblichter mit farbigen Glasstapeln ausgefüllt.

Die kompakten Wohnungen verfügen über fliessende Grundrisse, die durch eine Zonierung in Wohn- und Essbereich unterteilt sind. Die Küche und das Esszimmer werden dabei als der öffentlichste Bereich angesehen, der unmittelbar mit der Eingangssituation verbunden ist. Der Wohnbereich ist demgegenüber etwas geschützt durch eine Taille erreichbar und der hofseitigen Loggia zugeordnet. So wird trotz der knapp geschnittenen Grundrisse ein Maximum an Wohnqualität erreicht, wobei jede Wohnung von der Süd- und Ostausrichtung profitiert.

Die Dachwohnung organisiert sich als Umkehrung vom Attikatypus um einen zentralen Patio, der anhand der Wurzeln der Auftraggeber von lateinamerikanischen Vorbildern inspiriert ist. Zusammen mit den Dachschrägen erhält die Wohnung dadurch einen introvertierten Charakter, bietet aber gleichzeitig den Charme eines geschützten Aussenraumes. Der als „Walliser Dach“ mit sichtbarer Balkenlage ausgeführte Dachstuhl verfügt über eine Zinne, die zusätzlich Platz für eine Dachterrasse generiert.

Die Wohnungen sind bewusst klein geschnitten, um eine möglichst grosse Flächeneffizienz und -suffizienz zu erreichen. Das Gebäude wurde nach den Richtlinien von Minergie-Eco gebaut. Innen überwiegen natürliche und zum Teil roh belassene Materialien, die ein gesundes Wohnklima erzeugen. Der Neubau verfügt über eine Photovoltaik-Anlage und bezieht die für den Wärmetauscher benötigte Grundwärme über Erdsonden.